Wissen schützt vor Wahrheit nix

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Das Feuerzeug in unserer Küche ist schon fast leer. Ich verbrenne mir vor jedem Essen die Hände, um die Kerze anzuzünden. Ich fluche und will es immer wieder wegwerfen. Aber es liegt weiter in der Schale und irgendwie funktioniert es auch immer noch. Es zündet vor jedem Essen unsere Kerze an. Heute abend endlich, nach Monaten, hat mir dieses Feuerzeug mit seiner letzten Kraft gezeigt, dass nicht das Gas fehlt in dem kleinen Ding. Nein, mir fehlt die Kraft. Mir fehlt der Fokus. Ich kann dieses Ding nicht wegwerfen, weil ich dann denke, mich komplett aufgegeben zu haben.

Das klingt verrückt und nicht yogisch. Genau, das ist mein Leben.
Ich hatte mir geschworen, dass urbanyogini mit dem Kind wachsen wird, dass urbanyogini kein „Baby Blabla Mütter sind so arm dran“ Blog wird und dann? Entsteht eine Leere, eine Stille – ich kann nichts schreiben, weil ich außer blabla nichts Spirituelles erzählen kann. Ich kann nicht mehr inspirieren. Das Feuerzeug kann ich ersetzen oder vielleicht sogar mit Gas auffüllen. urbanyogini war ein Traum. Der Wunsch, über die Matte hinweg Menschen zu erreichen, die kein Yoga machen oder mehr wissen wollen von einem Leben mit OM und Tofu. Ich kann nichts schreiben, weil mir die Kraft fehlt. Die Worte, Mütter da draußen aufzurufen sich Zeit für sich zu nehmen, sich wichtig zu nehmen, wenn ich selbst nicht in der Lage bin geradeaus zu denken. Viele sind sogar Vollzeit berufstätig, alleinerziehend oder gar mehrfach Mama. Ich habe einen Halbtagsjob, nach Jahren der Selbstständigkeit mit allem finanziellem Elend was dazu gehörte, bin ich angestellt. Unser Kind liebt die Kita. Ich liebe die Nachmittage mit ihm. Eigentlich nichts auffälliges für Außenstehende.
Als ich heute abend das Feuerzeug wieder aus der Hand legte, fiel mir auf, dass ich mich verloren hatte. Nach Jahren in denen ich genau wusste, was es bedeutete, dass nur ich selbst mich glücklich machen kann, Erwartungen an andere, nur mich unglücklich machen können, nach Jahren auf der Matte, und dem Wissen um meinen Körper und all dem Stolz, was dieser schon geleistet hat, bin ich die, die keine Antwort hat.

Keine Antworten, aber das Wissen, dass ab jetzt 50% reichen müßen und ich mit 50% viel mehr erreichen könnte, als ich immer dachte.
Es fällt mir schwer mich damit zurfrieden zu geben, wenn ich nur 29 Minuten Sport machen darf, weil dem Papa dann vielleicht langweilig wird. Ich tue mich schwer damit, meinen Job mittags gehetzt zu verlassen, mit dem Wissen wieder etwas liegen lassen zu müßen. Ein Kreislauf der seine Bahnen unterschwellig bis in kleinste Strukturen durchdringt, weil er mein ganzes Leben auf den Kopf stellt.
Als ich vor zwei Jahren vom Wassermann Zeitalter geschrieben habe, da beschwor ich den Wandel, den Wechsel und sagte, dass jeder von uns sich warm anziehen müße. Ich dachte, ich hätte genug die Jahre davor getan, um gut gerüstet zu sein.
Einen Dreck hab ich! Mit Familie beginnst Du wieder ganz von vorn. Vorne an Deiner Matte. Füße zusammen. Atmen. Savasana. Willkommen Leben – Willkommen Ich

Der Wandel lebt in mir und um mich herum. Ich kann nicht anders, als zu sagen. Ich bin nicht mehr die, die ich mal war. Gerade bin ich eher wie die Raupe, die gern im Kokon wäre, weil sie davon träumt, dass der Schmetterling ja einiges mehr zu bieten hat. Die Raupe ist aber noch grau-braun und träge. Aber sie weiß, dass sie dieser Schmetterling wird. Ich weiß, dass es besser wird. Nur ich weiß nicht wann. Ich kenne Schriften, Texte und Bücher, die mir sagen, wie es laufen muss und doch komme ich nicht dazu sie zu lesen. Ich habe mir vorgenommen, einen schönen Artikel, einen schönen Text im Bus morgens zur Arbeit zu lesen. Jeden Abend mal wieder wirklich Üben, auch wenn es zu Hause ist. Atmen. Es ist wie es ist, ich kann es nicht ändern. Ich mag diese Raupe gerade nicht. Wofür ich sie aber liebe ist, dass sie weiß, dass der Schmetterling da ist. Die Wahrheit ist aber, die Raupe. Erkenntnis ist der erste Schritt.

Schönen Sonntag Euch

SMILE* BREATHE* AND TRY TO BE YOURSELF*