Vertrauen ist gut und gut ist

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„Setzen sie sich bequem hin. Schließen sie die Augen und atmen sie bewusst und tief ein und aus. Ihr Körper beginnt sich zu entspannen. Bleiben sie solange bis sich ein Gefühl der Ruhe einstellt. Bitte klären sie vorab mit ihrem Arzt, ob diese Übung für sie geeignet ist.“ 

BAM! Ein Teebeutel schickt mich also zum Arzt, wenn ich auf die wahnwitzige Idee kommen sollte mich mal auszuruhen! Ein verdammter Teebeutel ist fähig, dass ich aus meinem Alltagstrott zwischen Terminen, Stress und Handy mal ein paar Minuten rausgerissen werden könnte. GEFAHR: Sollte mein Körper auf diese unerwartete Ruhe völlig überfordert reagieren, dann solle ich meinen Arzt fragen, ob ich nicht viel lieber mit Anlauf in alle Stressymptome reinrennen möchte? Wo bitte geht es hier denn mal aus dem Wahnsinn hinaus?

Die Teebeutel liegen hübsch verpackt im Bio Supermarkt meines Vertrauens, doch dieser Spruch brachte eine Welle an Fragen hoch:

Wie wenig Vertrauen habe ich eigentlich zu mir? Wann lohnt sich Kontrolle?  Warum lohnt es sich manchmal, sich selbst mehr zu vertrauen als anderen?

Ist Kontrolle schon bekloppt an sich, weil es einfach nichts zu kontrollieren gibt? Ist es verständlich, wenn die Handys nach SMS Flirts gescannt werden?

Etwas irritiert stolperte ich in meinen Kurs. Ich konnte nicht anders als die Stunde mit der Frage nach Vertrauen zu beginnen: Unsere Zeit ist gerade deshalb so irrtierend, weil wir so überaus unfähig sind, uns selbst zu vertrauen. Parallel und paradox dazu, rennen wir Hybris beladen durch die Städte und meinen mit unserem Ego kann uns keiner was. Wahnsinn, da muß ja ein Haufen Chaoten in der Welt herumrennen.

Die Wenigsten von uns sind noch mit einem tiefen Vertrauen erzogen worden. Ein Gefühl, dass man einfach nicht scheitern kann. Man kann nichts falsch machen, nur lernen. Einige lernen über die Jahre, dass das Vertrauen in sich selbst immer noch besser ist, als mit jemand anderen auf die Fresse zu fliegen. Das ist aber nicht die Art von Vertrauen, die einen lehrt, dass man nie tiefer fallen kann, als mit dem Po auf den Boden. Diese Art Vertrauen haben oft Menschen, die sich unangreifbar machen wollen.

Wovon der Teebeutel spricht und was er uns mit dieser Übung mehr als veranschaulicht: Lerne Dir zu vertrauen. Lerne Deine Grenze kennen und arbeite damit. Was ist daran schlimm, wenn  Du auf dem Boden sitzt und nach zwei Minuten merkst: Scheisse, mein Kopf bringt aber verdammt viele Gedanken in zwei Minuten zustande !? Im Grunde ist das der erste Schritt zu einem Gefühl, sich wieder ein wenig die Oberhand im Oberstübchen zurück zu erkämpfen. Unsere Gesellschaft wird erzogen nicht zu fühlen, nicht zu spüren. Wir sitzen stundenlang am Tag und bemerken erst Jahre später, dass der Rücken schief wird. Ein paar Massagen und Schulter klopfen („Harte Arbeit sei Dank!“ Als sei das der Lohn!) und der Lack ist gesoffen. So einfach ist es heute nicht mehr.

Beim Unterrichten merke ich, wie sich Menschen durch Yoga verändern können. Sie bekommen wieder ein Selbstbewusstsein und erkennen, was ihnen gut tut und was nicht. Oftmals gibt es so nach ein oder zwei Jahren krasse Einschnitte im Leben und sie beginnen dann langsam das Leben zu führen, was sie immer führen wollten. Dabei bewegen sie sich oftmals wie kleine Kinder beim ersten Mal Schlittschuhlaufen: Manchen rennen blind drauf los und landen auf dem Po und andere trippeln sich nach vorn. Aber jeder von ihnen verlässt das Ufer.

Yoga lehrt Dich, Dir zu vertrauen und macht Dich stärker. Es ist keine Zauberei und keine Medizin. Du bestimmst die Dosis und Du bestimmst auch, wie viel Magie Du in Deinem Leben erträgst (Stichwort: Komfortzone!). Aber mit jedem Atemzug, jedem Wackeln und Stolpern und jedem noch so frustierendem Üben an Kopfstand, Handstand oder Krähe, entfernst Du Dich von einem Ufer. was Dir versucht hat über Jahre zu erzählen: Geh zum Arzt und lass Dir helfen – Du kannst das nicht alles wissen! Doch! Vieles weisst Du, Du hast nur verlernt die Sprache Deines Körpers zu verstehen.

„You gotta stop wearing your wishbone where your backbone outta be.“  Elizabeth Gilbert

Es kann doch bitte nicht sein, dass wir uns von einem Teebeutel zum Arzt schicken lassen müßen, weil wir außerstande sind mal einfach zwei Minuten ruhig zu sein.

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Enjoy your Friday Night, Dance, Love, Breathe and Trust in YOUR Life!